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26. April 2008

Buspreise

Meine erste Busfahrt war bereits am Tag meiner Ankunft in Japan. Misako hatte mich vom Flughafen abgeholt und wir sind gemeinsam mit dem Bus nach Okazaki gefahren. Eine Strecke, die ich nächsten Freitag alleine bewerkstelligen muss. Diese Busfahrt war einfach, war es doch ein Airportbus, der quasi nur in Okazaki und dem viele Kilometer entfernten Flughafen von Nagoya hielt. Man löste vorher ein Ticket, das war alles.

Wenn man nun aber einen lokalen Bus nutzen möchte, funktioniert das etwas anders. Man bekommt beim Einsteigen ein Ticket, welches die Nummer des Haltestelle, in der man eingestiegen ist, trägt.

Während der Fahrt ist der Fahrer ständig bemüht, sein Fahrplan möglichst auf die Minute einzuhalten. Permanent, spätestens aber jeder Haltestelle, wird geprüft, ob wir noch in der Zeit liegen. Und in der Tat habe ich bisher nur einmal einen Zug gesehen, der sich verspätete. Scheinbar sind die öffentlichen Verkehrsmittel sehr pünktlich.

Wenn man nun den Bus wieder verlassen möchte, schaut man sich nun die Anzeigetafel an, die beim Fahrer angebracht ist.


Auf dieser Tafel kann man erkennen, wieviel man beim Verlassen des Busses zahlen muss. Die Haltestelle, in der man eingestiegen ist, steht ja auf dem erhaltenen Ticket. Wenn man also nun z.B. an der Haltestelle 6 eingestiegen ist, und an Haltestelle 11 (welche die nächste sein wird) aussteigen will, zahlt man ¥220.

Das Prinzip versteht man zwar relativ schnell, schwieriger wird es aber beim Verlassen des Busses. Man geht brav mit allen anderen Reisenden zum vorderen Ausgang. Dort ist eine kleiner Apparat, mit einem großen und einem kleinen Schlitz. Der kleine Schlitz läd dazu ein, Münzen in ihn hinein zu werfen. Der Große sieht aus, als würde er Tickets vertragen und ist bereits aus Bahn und Ubahn bekannt. Man wirft nun also sein Ticket in den großen Schlitz - der Busfahrer lächelt einen zufrieden an - und steckt eine Münze in den kleinen. Genauer gesagt steckt man mehrere Münzen hinein, denn für ¥220 braucht man insgesamt 4 Münzen. Verwundert stellt man fest, dass es an einer anderen Stelle klappert und der Busfahrer einem anschließend freundlich eine handvoll Münzen überreicht.

Erstaunt blicke ich in das noch immer freundlich lächelnde Gesicht und nehme vorsichtig eine der Münzen und stecke sie erneut in den kleinen Schlitz. Der Busfahrer schielt verlegen auf seine Uhr und seinen Zeitplan. Ich warte ab, was passiert, doch es gibt erneut ein Klappern und der Busfahrer drückt mir erneut freundlich einige Münzen in die Hand, deutet dann aber auf den großen Schlitz.

Man merke sich also, sowohl Ticket, als auch der zu bezahlende Betrag, gehören in den großen Schlitz. Der Kleine ist nur dafür da, Geld zu wechseln, wenn man den passenden Betrag nicht zur Hand hat. Ich hoffe, der Busfahrer konnte die Verzögerung, die ich verursacht habe, wieder aufholen.

23. April 2008

Zählen

Japaner zählen komisch. Sicherlich gab es auf der Welt viele unterschiedliche Möglichkeiten, wie Menschen Ziffern geschrieben haben. Die Bedeutung älterer Begriffe wie Dutzend oder Gros sind in unserer Gesellschaft drastisch gesunken und haben neueren Platz gemacht. Ich denke die gesamte Welt hat sich darauf geeinigt, dass es durchaus ein Vorteil ist, in Tausenderschritte zu rechnen. Japan hat das bisher nicht eingesehen. In Japan hat man für die Zehner-, Hunderter-, Tausender- und Zehntausenderstelle separate Begriffe. Anschließend geht man dazu über, in Mengen von Zehntausenden zu rechnen, somit ist zum Beispiele eine Million im Japanischen „einhundert Zehntausender“. Die nächste logische Stufe im japanischen Rechensystem wäre somit „zehntausend Zentausender“, wofür sie natürlich wieder ein separaten Begriff haben, der dann 100.000.000 bedeutet.

Diese Form des Rechnen macht es natürlich etwas schwierig, gesprochene Zahlen zu verstehen. Insbesondere, da Preise in Japan ja in recht große Zahlen ausgedrückt werden müssen. Als wenn es nicht schwierig genug wäre, etwas wie „5 hundert 3 'zig 2 Zehntausender 1 tausend 3 hundert 4 'zig 9“ in japanisch zu verstehen, man muss es anschließend auch noch im Kopf umrechnen.

22. April 2008

Genauigkeit

Ich dachte bisher es gäbe wenig Menschen, die genauer sind, als Menschen in Deutschland. Für viele Dinge gibt es bei uns Vorschriften, alles ist bin ins Kleinste genau geregelt. Und doch schlagen uns die Japaner um Längen. Ich weiß zwar nicht, ob dies ein Sonderfall war, oder ob japanische Frauen noch genauer sind als Männer, aber dieses Beispiel an Genauigkeit ist schon beeindruckend. Wenn nicht gar beängstigend.

Misako, Saori und ich haben am Sonntag einen Backkurs besucht. Wir haben bei einer Japanerin deutsches Brot gebacken, die in Hannover ihr Handwerk gelernt hat. In Japan hat sie eine Zeit lang als Bäckerin gearbeitet und gibt jetzt private Backstunden für Interessierte. Zum Glück sprach sie auch deutsch, sodass sie zwar alles doppelt erzählen musste (japanisch und deutsch), aber es gab zumindest keine Probleme mit der Verständigung.



Wir haben uns zusammen gesetzt, bevor die eigentliche Arbeit los ging, und sprachen die einzelnen Arbeitsschritte durch. Mir wurden Kaisersemmeln zugeteilt, Misako durfte Maisbrötchen und Saori Bagles zubereiten. Ich würde Maisbrötchen und Bagles zwar nicht unbedingt zur klassischen deutschen Backkunst zählen, aber was solls. Für die beiden Damen war es gut genug.

Jeder von uns bekam eine Liste mit den Zutaten. Weiterhin standen die Gär- und Backzeiten auf dem Zettel. Wir sind gemeinsam jeden einzelnen Schritt durchgegangen, einige Fragen wurden gestellt und anschließend sollten wir beginnen. Verwunderlich waren die Angaben auf dem Zettel, so sollte Misako zum Beispiel 7.65 Gramm (sieben Komma sechs fünf) Salz in ihren Teig geben. Mir wurde aufgetragen, 259.2 Gramm Wasser bereit zu stellen, um es zum geeigneten Zeitpunkt zu verwenden. Nun hab ich zwar kein Problem damit, 259.2 Gramm Wasser abzuwiegen, fand es aber doch etwas befremdlich. Ich vermute, 260 Gramm hätten es auch getan.



Jedenfalls waren nicht nur die Angaben sehr genau, auch die Arbeit der beiden Damen stand dem in nichts nach. Sollten wider erwarten einmal vier oder fünf Gramm einer Zutat zu viel in die Schüssel gelangt sein, so wurden diese – nach einem kurzen, aufgeregten hin- und herhopsen – wieder aus der Schüssel heraus gelesen. Und zwar Gramm für Gramm.



Der ein oder andere Leser weiß sicherlich, dass ich es beim Kochen oder Backen nicht so genau nehme mit meinen Zutaten, doch ich habe versucht mich zumindest nah an den Angaben zu halten. Misako war jedenfalls sichtlich aufgeregt, als ich 28 statt 24 Gramm Öl in meinen Teig goss. Die Bäckerin nahm es etwas gelassener. Am Ende wurden die Brötchen jedoch alle ein Erfolg. Wir haben einige der Brötchen gleich noch an Ort und Stelle verputzt, den Rest mit nach Hause genommen.



Es ist erstaunlich, welche Sorgfalt, welche Genauigkeit und Vorsicht jede der Damen hat walten lassen. Auf der einen Seite sicher eine gute Eigenschaft, aber zum anderen auch hinderlich, erlaubt es doch kaum zu experimentieren. Die Bäckerin, mit der ich mich ein wenig unterhalten habe, war auch gespalten, ob dies eine gute Eigenschaft der Japaner ist. Sie beschrieb Japaner (und insbesondere Japanerinnen) als übervorsichtig. Ich glaube eine gesunde Mischung als Vorsicht und Experimentierfreudigkeit macht das Leben einfacher.

21. April 2008

Verstörend

Gestern bin ich zusammen mit Misako und Saori zusammen ein wenig durch Nagoya gegangen. Eigentlich wollten wir nur zu einem Laden, in dem man importierte Waren kaufen kann. Ich wollte den beiden Japanerinnen ein paar deutsche Süssigkeiten zeigen. Der Laden hatte sogar eine akzeptable Auswahl, so waren wir mit unserem Einkauf zufrieden. In dem Einkaufszentrum, in dem sich der Laden befand, lief parallel eine Veranstaltung. Da Misako und Saori noch in einen Bücherladen gehen wollten, hatte ich ein wenig Zeit, mir das Geschehen näher an zu sehen.

Überschrieben war die Veranstaltung sinngemäß mit „Japanischer Kinder Tanz Wettbewerb“. Eine Art Casting Show für angehende Tänzer. Es fanden die lokalen Ausscheidungswettkämpfe für Nagoya statt. Man hat eine kleine Bühne aufgebaut, und es saßen sicher 200 bis 300 Leute davor. Ich gesellte mich also dazu und wollte mir die nächste Gruppe von Kindern ansehen, wie sie ihre Kunststücke vorführen.

Ein Moderator, gekleidet wir ein Gangster Rapper, sprach ein paar einleitende Worte und entschuldigte oder bedankte sich in jedem zweiten Satz. Dies widersprach ein wenig seiner äußeren Erscheinung, aber was soll ich mich in Japan wundern. Ich habe das ganze also als eine der japanischen Besonderheiten abgetan, als bereits eine Gruppe junger Mädchen – im Alter von vielleicht 10 oder 11 Jahren – die Bühne betrat.

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich den folgenden Absatz einleiten könnte, doch vermutlich sage ich es am besten einfach gerade heraus. Die Mädchen waren gekleidet wie Britney Spears oder Christina Aguilera in ihren wildesten Zeiten. Sie bewegten sich, als würden sie Kunden anlocken wollen, nochmal etwas Geld für 10 weitere Minuten Webcam Action zu berappen. Es fällt mir schwer das sich mir gebotene Bild ohne anstößige Worte zu beschreiben.

So saß ich also auf meiner Bank, starr vor Schreck und um mich herum klatschten hunderte von belustigten Japanern im Takt. Sie hatten offensichtlich Freude an der Darbietung und ich hatte das Gefühl, demnächst verhaftet werden zu müssen, nur weil ich dort auf die Bühne sah.

Ich habe noch versucht, eine Bild der Szenerie zu machen, doch das wurde mir von einem eifrigen Aufseher untersagt. Somit ist es mir nicht möglich, diesen Anblick weiter zu geben. Doch es gibt ein entsprechendes Video auf YouTube, dass einen Ausschnitt aus einer Übertragung der TV Version des Spektakel zeigt. Ich möchte anmerken, dass dieses Video eines von denen ist, die nach wie vor auf YouTube existiert, die „anderen“ Darbietungen wurde von YouTube zurecht gelöscht.





Wie harmlos war da doch die Aufregung um die Mini Playback Show.

18. April 2008

Recycling in Japan

Die meisten Prozesse, die für das tägliche Leben notwendig sind, versteht man wider erwarten recht schnell in Japan. Vieles unterscheidet sich auch nicht dramatisch von bereits bekannten Abläufen. Und allein durch Beobachtung der Verhaltensweisen Einheimischer, kann man sich auf das meiste einen Reim machen. Zu Gute kommt ferner, daß sich die meisten Japaner identisch verhalten. Zu Beispiel bilden sich bereits ordentliche Schlangen auf einem Bahnsteig, bevor ein Zug einfährt. Es gibt sogar Markierungen, wo sich die Türen des einfahrenden Zuges befinden werden. Man stellt sich also hübsch gleichmäßig in Zweierreihen an diese Markierungen. Dies beschleunigt das Einsteigen ungemein, erinnert mich aber auch an die Tage in der Grundschule, an denen wir zum Schwimmunterricht gefahren sind.

Was das Recycling angeht, scheinen die Japaner aber einen Schritt zuweit gegangen zu sein. Ich möchte auf keinen Fall die Notwendigkeit der Mülltrennung in Zweifel ziehen, frage mich aber, ob es wirklich neun unterschiedliche Kategorieren sein müssen. Aber fangen wir langsam an, das Prinzip auseinander zu nehmen.


Zunächst erhält man auf der Info Veranstaltung des Yamasa Instituts neben einigen Unterlagen über den Campus, auch etliche Informationsbroschüren über die Funktionsweise der Mülltrennung. Die wichtigsten Seiten hängen an meiner Wand und zeigen zum einen, wann welcher Müll abgeholt wird, und zum anderen welche Kategorien existieren. Für jede dieser Kategorien gibt es dann natürlich einen entsprechenden Müllsack mit Farbcode.


Zur Abholung sei gesagt, dass der Müll nicht etwa vor die Tür gestellt werden kann. Man muss seine Müllsäcke an einen definierten Punkt bringen, wo dem sie abgeholt werden. Dieser Punkt gilt dann meist für einen Block oder einen Strassenzug. Meist lagert dort schon ein großer Haufen von Säcken und man legt seinen einfach dazu. Glücklicherweise befindet sich unsere Müllabgabestelle direkt auf dem Weg zur Schule, denn man darf den Müll nur morgens dort ablegen. Am Abend davor ist nicht zulässig. Somit kann man das vor der Schule erledigen.

Mein Mitbewohner Tim wohnt bereits seit vier Jahren in Japan. Er konnte sich also an das Recycling System gewöhnen und mir stehts erklären, in welchen der vielen Müllsäcke welcher Abfall gehört. Dabei ist das nicht so einfach, wie es sich im ersten Moment anhört. Nehmen wir zum Beispiel eine beliebige Getränkeflasche (auch PET genannt). PET Flaschen gehören in die Kategorie Orange. Der Deckel einer PET Flasche allerdings ist aus Plastik. Plastik ist wiederum Kategorie Schwarz. Also muss die Flasche in einen, der Deckel in einen anderen Beutel. Der Deckel einer Getränkeflasche besteht aber meist aus zwei Teilen, aus dem Schraubverschluss, und einem kleinen Plastikring, der um die PET Flasche gelegt ist. Die Perforation zwischen Schraubverschluss und Ring bricht beim ersten Öffnen und gibt dem durstigen Kunden so die Sicherheit, dass sein Getränk unbenutzt ist. Leider ist dieser kleine Plastikring ebenfalls Kategorie Schwarz, und meist nicht so einfach von der Flasche zu lösen. Dennoch gehört er nicht in den PET Sack. Gleiches gilt natürlich auch für die beschriftete Folie, die den Namen des Getränks preisgibt. Man ist somit schon einige Momente am Auseinandernehmen einer Flasche, bevor man sie wirklich weggeschmissen hat.



Zusätzlich muss jedes Stück Abfall gereinigt werden, bevor man es in den Müll packt. Was das genau für die Entsorgung meiner Zahnpastatube z.B. bedeutet ist mir noch nicht klar. Jedenfalls wasche ich z.Zt. Joghurtbecher brav ab, bevor ich sie entsorge.

Als Tim und ich heute morgen in Richtung Yamasa aufbrachen, habe wir unseren schwarzen Sack mitgenommen, der bereits überzuquellen drohte. Nach gut 300 Metern waren wir an unserer uns zugewiesener Abfallabladestelle angekommen. Dort fanden wir zu unserer (insb. Tims) Verwunderung einen großen Berg roter Müllsäcke vor. Scheinbar reichen auch vier Jahre nicht, das Konzept vollständig zu verstehen. Unser schwarze Sack liegt seitdem auf dem Balkon.

15. April 2008

Erster Tag


Mein erster Tag in Japan verlief unspektakulär. Ich hatte das Glück, dass Misako mich nicht nur vom Flughafen abgeholt hat, sie begleitete mich auch den gesamten Tag. Das war auch notwendig, denn in der Wohnung, dich bezogen habe, fehlten grundlegende Dinge. Angefangen von Klopapier und Handtüchern, über Teller und Besteck, bis zum Wäscheständer oder Mülleimern. Es war also gut, dass ich treu neben Misako hertraben konnte, während sie alles Notwendige besorgte. Zunächst verschlug es uns in einen 100 Yen Shop, in dem quasi nichts hundert Yen kostet (sondern meist deutlich mehr), und welcher qualitativ nicht überzeugen konnte. Für Teller und Besteck reichte es jedoch. Anschließend begaben wir uns zu Æon, dem größten Einkaufszentrum in der Nähe. Vergleichbar mit jedem neueren Einkaufszentrum in Berlin. Ich bin sicher, dass es in der Zukunft noch einige Berichte von dort geben wird.

Wir konnten das meiste erwerben, doch einzelne Punkte bleiben auf meiner ToDo Liste für morgen. Ich werde also allein losziehen, um ein Fahrrad, ein Telefon und ein Stromadapter zu besorgen.

13. April 2008

Einleitung

Einmal das Land für längere Zeit zu verlassen stand schon sehr lange auf meinem Wunschzettel. Ich hatte zu meiner Schulzeit das Angebot, für ein Jahr in die Staaten zu fahren, habe das damals aber - vermutlich Mangels Courage - abgelehnt. Im nachhinein betrachtet bereue ich es, diese Möglichkeit nicht genutzt zu haben. Also stand für mich schon relativ früh fest, dass ein längerer Auslandsaufenthalt eines der Ziele ist, die ich vor meinem 35 Lebensjahr noch erreichen möchte. Das Leben in einem anderen Land wird ganz sicher die Wahrnehmung des eigenen Landes schärfen. In meinem Bekanntenkreis gibt es Menschen, die sehr häufig über Deutschland und seine Regierung meckern, und permanent Beispiele liefern können, was in anderen Ländern besser läuft. Ich habe lange aufgehört dagegen zu argumentieren, doch sicher wird erst der Aufenhalt in einem anderen Land genug Klarheit darüber geben, wie unterschiedlich die Lebensweisen in diesen Ländern ist, und was dort besser oder schlechter läuft.

Nach unserem 3 wöchigen Urlaub in Californien 2003 haben Steffi und ich eigentlich geplant, eine Weltreise im Jahr 2006 zu starten. Die Reiseroute stand bereits früh fest, es fehlte nur noch meine Kündigung bei meinem damaligen Arbeitgeben und eine ausreicht gefüllte Reisekasse. Doch kaum war dieses Ziel erreicht - nicht zuletzt durch meine Selbständigkeit - gründete Steffi zusammen mit Sara das Misses & Marbles. Somit wurden die Pläne auf unbestimmte Zeit verschoben.

Kaum war der Laden etabliert, begann die Planung für eine eigene Reise, ohne Steffi. Sicher nicht das ideale Szenario, für längere Zeit von seinem Lebenspartner getrennt zu sein, doch ist bisher nicht abzusehen, wann das Misses einen längeren Urlaub gestattet. So war ursprünglich für das Frühjahr 2007 eine Reise nach Japan vorgesehen. Es stellte sich aber heraus, dass einer meiner Kunden für das Jahr 2007 ein Großprojekt vorgesehen hatte. Es wäre töricht gewesen, dieses Projekt nicht durchzuführen, und vielleicht hab ich die Möglichkeit, die Reise nochmal um ein Jahr zu verschieben gerne angenommen. Doch bereits im August 2007 hab ich mit den Vorbereitungen für die jetzt endlich beginnende Reise unternommen.

Obwohl ich fest entschlossen war, im April endlich los zu fliegen, hat sich meine Arbeitssituation erneut unerwartet gewandelt, und ein weiteres Großprojekt verlangte nach meiner Aufmerksamkeit. Ich wäre ohne Bedenken an dieser Chance vorbeigezogen, hätten nicht mehrere unglücklicke Umstände das Projekt in ein Zustand manövriert, welche die weitere Entwicklung gegebenefalls gefährdet, sicher aber drastisch verlangsamt hätte. Doch durch den sehr konstruktive Einsatz der bereits am Projekt beteiligten, und durch die punktuelle Verstärkung des Teams, stehen die Chancen für dieses Projekt besser den je. Ich bin froh, meinen bescheidenen Beitrag an der Restrukturierung geleistet zu haben, und freue mich bereits jetzt auf meine Rückkehr in das Projektteam, sobald meine Reise vorbei ist.

Leider bedeutete die Arbeit an diesem Projekt aber auch, dass Steffi und ich weniger Zeit miteinander verbringen konnten, als wir uns beide gewünscht hätten. Auf der einen Seite hat dies den Abschied schneller und weniger schmerzhaft gemacht, auf der anderen Seite stelle ich aber erst jetzt fest, dass mehr Zeit für uns sicher gut gewesen wäre.

Doch in diesem Augenblick zählt nur, dass ich in 8 Stunden in Nagoya landen werde. Nur noch einige Tausen Kilometer trennen mich von einer vollkommen anderen Kultur und Lebensweise. Der Grund, der mich ursprünglich dazu motivierte, eine Reise dieser Form überhaupt erst zu beginnen.